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Kein Geschäft ohne Ware . .

Die Bundesnetzagentur geht gegen Manipulation der Bilanzkreise vor

Die Bundesnetzagentur hatte Mitte Juli eine Konsultation zu Maßnahmen zur Stärkung einer ausgeglichenen Systembilanz im deutschen Stromnetz gestartet. Anlass ist die teils deutliche Unterdeckung der deutschen Regelzone im Juni. Hier hat es wiederholt spürbare Engpässe gegeben, welche das System an seine Grenzen brachte.

Was war noch passiert? Nach Aussage der Bundesnetzagentur hat es im Juni ausreichend Stromerzeugung gegeben, der Markt hätte suggeriert, die Nachfrage sei gedeckt. Dies war jedoch allem Anschein nach gar nicht der Fall. Vielmehr wird vermutet, dass einige Händler auf sinkende Preise gesetzt hätten. Doch anstatt die fehlenden Mengen für den Ausgleich ihrer Bilanzkreise dann – wie üblich - zu vergleichsweise hohen Kosten am Intraday-Markt zu beschaffen, hätten die Händler möglicherweise auf geringe Ausgleichsenergiekosten gesetzt und die Unterdeckung in die Regelenergie laufen lassen. Frechheit siegt, heißt das wohl. Ein solches Marktverhalten jedoch ist natürlich verboten.

Daher nimmt die Bundesnetzagentur die jüngsten Vorfälle zum Anlass, die Marktteilnehmer unter Androhung von Pönalen zur Einhaltung ihrer gesetzlichen Pflichten aufzufordern:

Jedes einzelne Unternehmen, das als Stromversorger oder -händler zum bilanziellen Ausgleich seiner Strommengen verantwortlich ist, ist verpflichtet, sich zu jedem Zeitpunkt bilanztreu zu verhalten. Bei pflichtwidrigem Verhalten eines Bilanzkreisverantwortlichen sind die Übertragungsnetzbetreiber gehalten, vertragliche Sanktionen zu ergreifen. Dies kann im äußersten Fall die Kündigung des Bilanzkreisvertrages beinhalten.“

Die inzwischen zur Konsultation gestellten Maßnahmen umfassen zunächst die grundsätzliche Verpflichtung, den Bilanzkreis spätestens 15 Minuten vor Erfüllungsbeginn ausgeglichen zu halten. Eine neu vorgestellte Berechnungsmethode für den Ausgleichsenergiepreis, koppelt mögliche Zu- oder Abschläge an eine Abweichung des deutschen Regelverbundes von mehr als 80 Prozent der kontrahierten Regelleistung. Eine weitere Maßnahme sieht vor, dass Messwerte, die von RLM-Marktlokationen stammen, ab dem 1.10.2019 bereits werktäglich an die Übertragungsnetzbetreiber übermittelt werden müssen. Gerade dieser Vorstoß stand bereits in der Diskussion und wird kritisch gesehen, betrifft er doch Netzbetreiber wie Messstellenbetreiber gleichermaßen. Die Bundesnetzagentur will damit jedoch die Übertragungsnetzbetreiber befähigen, die gelieferten Prognosefahrpläne mithilfe aktueller Einspeise- und Verbrauchswerte zu plausibilisieren.

Da haben wir sie wieder, die Diskussion um die Daten und wem sie gehören, wem sie zustehen. Naja, sowas kommt von sowas, könnte man sagen. Durch die relativ kurze Vorbereitungszeit zum 01.10.2019 wird es vielerorts wohl mal wieder hektisch werden, denn auch die Netzentgeltkalkulationen stehen im Oktober an und bedürfen einer ordentlichen Vorbereitung.

Ich denke dennoch, die eingeleiteten Maßnahmen, die zum Teil ohnehin gekommen wären, machen Sinn und sorgen für eine verlässliche Versorgung mit elektrischer Energie. Kein Händler darf Waren verkaufen, die er gar nicht hat. Das musste durch die oberste Aufsichtsbehörde aber anscheinend nochmals deutlich gemacht werden. Den schwarzen Schafen sei Dank…

Ich wünsche eine energiereiche aber ausgeglichene Woche.

Herzlichst Ihr

Micha Ries

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