Blockchain – nur ein Trend oder doch mehr

Eine Studie im Auftrag der Deutschen Energieagentur (Dena) befasst sich aktuell mit dem Thema Blockchain im Energiemarkt. Es wurden rd. 300 Energieunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Demnach wird Blockchain im Bereich Peer-to-Peer-Handel (Rechner-Rechner-Verbindung) sowie in der E-Mobilität und weiteren Bereichen genutzt.

Bereits Anfang 2018 machte ein Projekt erstmalig Schlagzeilen: Die Wuppertaler Stadtwerke installierten gemeinsam mit dem Schweizer Energiekonzern Axpo den Elblox-Marktplatz „Tal.Markt“: Eine Blockchain basierte Handelsplattform über die regionale Verbraucher mit regionalen Erzeugern zusammengebracht werden. Die WSW erhielten im September 2018 dafür den „Stadtwerke Award 2018 in Silber“, der durch den VKU verliehen wurde.

Die Blockchain-Verheißung hört sich also erst einmal sehr positiv an, ist sie aber tatsächlich die Zukunft?
Im Grunde genommen ist eine Blockchain eine internetbasierte, dezentral organisierte Buchhaltung. Es spielt keine Rolle worüber in dem Buchführungssystem Buch geführt wird. Entscheidend ist, dass spätere Transaktionen auf früheren Transaktionen aufbauen, sodass es unmöglich gemacht wird, Existenz oder Inhalt der früheren Transaktionen zu manipulieren. Im Wesentlichen ermöglicht das enorme Automatisierungspotenzial die Optimierung der kleinteiligen und komplexen Prozesse nahezu aller Wertschöpfungsstufen, einen verbesserten Umgang mit einem steigenden Komplexitätsgrad, die Gewährleistung von Datensouveränität und Transparenz. Blockchain als digitale Transaktionstechnologie wickelt dabei Geschäfte intermediär, d.h. ohne einen Mittelsmann, ab. Das Besondere daran ist, eine zentrale Instanz wird überflüssig.

Entwickelt wurde die Blockchain-Technologie ursprünglich, um die Kryptowährung  Bitcoin zu „schürfen“. Bitcoins sind wohl die bekannteste Anwendung der Blockchain-Technologie.
Doch wie werden Bitcoins überhaupt hergestellt? Anders als bei den traditionellen Währungssystemen, bei dem Regierungen bzw. Banken das Geld drucken, wird bei der Herstellung des Bitcoins natürlich kein Geld gedruckt. Der Herstellungsprozess der digitalen Währung wird dabei analog zum Goldschürfen „Mining“ genannt. Vereinfacht gesagt wird beim „Bitcoin-Mining“ Rechnerleistung zur Transaktionsverarbeitung, Absicherung und Synchronisierung zur Verfügung gestellt. Zur Anfangszeit waren es noch Normalverbraucher mit Privatrechnern, die ihre Rechnerleistung zur Verfügung stellten und dafür wiederum in Bitcoins entlohnt wurden.  Kurz: Geschaffen wird die Kryptowährung von Computern, die komplexe Algorithmen berechnen. Schnell wurde erkannt, dass dies durchaus ein lukratives Geschäftsmodell darstellt, weshalb heute professionelle Betreiber von Serverfarmen das Geschäft dominieren. Der Vorgang des „Schürfens“ eines Bitcoins ist jedoch sehr rechenintensiv, weshalb infolge des zunehmenden Interesses an der Blockchain-Technologie und am Bitcoin auch der Energiehunger der digitalen Währung kontinuierlich steigt.

Das Bitcoin-System hat bereits jetzt schon einen höheren Energiebedarf als viele Staaten. Wieviel Energie nun insgesamt verbraucht wird, ist aufgrund mangelnder Informationen zur eingesetzten Hardware und der inhärenten Dezentralität nur schwer zu beziffern. Schätzungsweise verbraucht das Bitcoin-System zurzeit 71,12 TWh Strom jährlich – fast so viel wie ganz Chile (71,7 TWh) und bereits mehr als die Schweiz (62,1 TWh).

Fraglich ist also wie es sich mit der Nachhaltigkeit dieser Technologie verhält. Beliebte Produktionsländer sind dementsprechend solche mit vergleichsweise günstigen Strompreisen, wie z.B. China oder die Mongolei, in denen reichlich Kohlekraftwerke mit derzeit überschüssigen Kapazitäten den Strom für einen Preis von rd. 4 ct/kWh an die Miner verkaufen. Im Januar 2018 hatten sich die chinesischen Behörden entschieden, schärfer gegen Bitcoin-Mining vorzugehen bzw. Chinas Ausstieg aus dem Mining-Geschäft zu veranlassen. Grund dafür sind starke Netzinstabilitäten durch den abnormal hohen Energieverbrauch der „Mining-Farmen“.

Aber nicht alle Bitcoins werden mit Kohlekraft hergestellt – der Trend zur Erzeugung der Kryptowährung geht hin zu erneuerbaren Energien, die sonst ungenutzt blieben: Sowohl in der Provinz Sichuan im Süden Chinas als auch in Österreich wird Strom aus Wasserkraftwerken genutzt. In Island ist Geothermie eine beliebte Energiequelle. Darüber hinaus glauben einige Experten, dass der wachsende Stromverbrauch durch den technischen Fortschritt zu bremsen ist. Dies bleibt jedoch erst einmal abzuwarten…
Durch den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft müssen Anpassungen der Rahmenbedingungen u.a. auch durch die Regulierungsbehörden vorgenommen werden. Dazu zählen zum Beispiel Fragen zum Datenschutz, Vertragsrecht oder Haftungsregelungen. Nicht zuletzt, weil es sich bei der Energieversorgung um eine Kritische Infrastruktur handelt, muss eine umfassende Abschätzung des Gefährdungspotenzials angestrebt werden, aus der frühzeitig notwendige Sicherheitsvorkehrungen und Anpassungen im Risiko- und Krisenmanagement vorgenommen werden können.
Es gibt also noch viel zu tun und zu veranlassen, doch trotz allen Hürden scheint die neue digitale Technologie langfristig nicht aufzuhalten zu sein.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Blockchain?
Ich wünsche eine gute, energiereiche Woche und schöne Ostertage


Ihr Micha Ries

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