Nabeg 2.0 im Schatten zahlreicher, alternativer Möglichkeiten

Im heutigen Blogbeitrag beschäftigen uns zwei Meldungen. Eine berichtet über die Relativierung des Einspeisevorrangs für EEG- und KWK-Einspeiser durch die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (Nabeg 2.0) Eine Andere betraf die zufriedenstellend verlaufende Testphase eines lokalen Flexibilitätsmarktes zur Netzentlastung, die ein großer deutscher Verteilnetzbetreiber durchgeführt hat.

Die erste Meldung berichtet über die Relativierung des Einspeisevorrangs für EEG- und KWK-Einspeiser durch die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (Nabeg 2.0) von Anfang April. Demnach soll ab Oktober 2021 dem Netzbetreiber erlaubt werden, EEG- und KWK-Anlagen (> 100 kW Pinst) unter bestimmten Voraussetzungen abzuregeln. Hintergrund sei, die Gesamtkosten für Redispatch zu senken. Bewusst wird durch diese Änderung eine Erhöhung der CO2-Emissionen bei parallel verringerter Ökostromerzeugung zu Gunsten der Kosten in Kauf genommen.

Ach ja, Kosten für Redispatch: Noch im Jahr 2017 wurden Einspeisereduzierungen von 10.200 GWh angeordnet, die Einspeiseerhöhungen von Markt- und Netzreservekraftwerken beliefen sich auf 10.239 GWh (zusammen also 20.439 GWh). Die Kosten für diese Redispatch-Maßnahmen stiegen im Jahr 2017 auf rund 901 Mio. Euro an. Will die Politik also aus Kostengründen nun einen Schritt zurück machen? Wäre dieser Schritt zurück überhaupt spürbar? Waren die Kosten von 901 Mio. Euro spürbar?

Die zweite Meldung betraf die zufriedenstellend verlaufende Testphase eines lokalen Flexibilitätsmarktes zur Netzentlastung, die ein großer deutscher Verteilnetzbetreiber durchgeführt hat. Der Netzbetreiber berichtete, die Plattform habe als Marktplatz für Flexibilitäten in der Testphase mehrfach die Überlastung im Netz und damit die Abregelung von erneuerbaren Anlagen vermieden. Ziel sei es, Engpässe im Verteilnetz marktbasiert zu beseitigen und nicht die Erzeuger (erneuerbar wie auch fossil) per Zwangsmaßnahme abzuschalten. Dabei könnten diese Flexibilitäten durch beliebige Marktteilnehmer angeboten werden.

Auch der durch B E T vor kurzem vorgelegte Vorschlag zur „Spitzenglättung“ geht in eine ähnliche Richtung. Um unnötigen Netzausbau, wie auch Kosten für Redispatch zu vermeiden, sollten Engpässe im Verteilnetz marktbasiert beseitigt werden. Im Zuge der Ausgestaltung des § 14a EnWG in Kombination mit der Anpassung der Netzentgeltsystematik geht es bei der Spitzenglättung darum, auf die flexiblen Verbraucher zur Vermeidung von seltenen und nur kurz auftretenden Netzengpässen als Netzbetreiber zugreifen zu können.

Da geht also noch was und ich denke, die Branche hat inzwischen vielfältig den Beweis angetreten, dass es mehr als nur eine Lösung gibt, Netzengpässe sowie unnötigen Netzausbau zu vermeiden. Der Marktplatz der Flexibilitäten bietet Möglichkeiten auf beiden Seiten des Kabels. Macht etwas daraus!

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche, ohne unnötige Last und mit viel Energie!

Ihr Micha Ries

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