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Schweiz veröffentlicht neue Zinssätze für Netzinvestitionen

Das Eidgenössische Departement (Ministerium) für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat den WACC (Weighted Average Cost of Capital), den durchschnittlichen Kapitalkostensatz für Investitionen ins Stromnetz, für das Tarifjahr 2020 erneut auf 3,83 % festgelegt. Die Festlegung in der Schweiz erfolgt jeweils bis Ende März und gilt für ein Tarifjahr. Im Tarifjahr 2016 waren es noch 4,7 % und seit 2017 hatte der Schweizer Regulator ElCom gemeinsam mit der UVEK sodann 3,83 % errechnet und entsprechend der Verordnung in Ansatz gebracht. Der WACC mit 3,83 % kam mir doch etwas niedrig vor oder wie war das noch in Deutschland?

Die Bundesnetzagentur hatte bekanntermaßen den EK-I-Zinssatz für Netzinvestitionen mit 6,91 % für Neuanlagen bzw. 5,12 % für Altanlagen festgelegt und sah sich daraufhin einer Klagewelle gegenüber, die sich nun bis zum höchsten deutschen Gericht gezogen hat. 

Selbst vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Verzinsungsmethoden zwischen der Schweiz und unserem Regulierungsregime finde ich den Unterschied der Verzinsung zwischen unseren beiden Ländern bemerkenswert, denn ich hatte bisher immer das Gefühl, Schweizer Zinsen in vielerlei Bereichen als gute Faustformel verwenden zu können. Ein weiterer Blick über den Tellerrand zeigt die europäische Spannweite:
Im benachbarten Österreich lag der WACC für Stromnetze in der 3. Regulierungsperiode bei 6,42 % und im Gas liegt er aktuell bei 4,88 % (jeweils vor Steuern), Neuanlagen bekommen zudem einen Zuschlag. Bei unseren niederländischen Nachbarn werden Altanlagen zwischen 2016 bis 2020 mit 4,5 % verzinst und danach noch mit 2,8 %. Neue Investitionen hingegen erhalten in den Niederlanden von 2016 bis 2020 einen WACC in Höhe von 3,8 % und danach bis 2021 noch in Höhe von 2,8 %. Bei der Berechnung des WACC für Neuinvestitionen geht die Regulierungsbehörde in Den Haag davon aus, dass der Netzbetreiber tendenziell Fremdkapital zur Finanzierung eingesetzt hat. Dieses neue Fremdkapital weist aufgrund der niedrigen Zinssätze der letzten Jahre sodann eine geringere Rendite gegenüber dem bestehenden Fremdkapital auf, was zu einem niedrigeren WACC im niederländischen Regulierungssystem führt.
In Schweden sprechen wir im Strom von 5,85 % und im Gas von 6,52 % (ebenfalls jeweils real und vor Steuern). Die hohen schwedischen Werte ergeben sich u. a. durch einen Beta-Faktor von 72 % im Strom bzw. 70 % im Gas und einer Marktrisikoprämie von 5 % in beiden Fällen.

Wir finden in Europa also nach wie vor in den unterschiedlichen Regulierungssystemen auch unterschiedliche Ansätze, Netzinvestitionen zu verzinsen. Sicher ist aber auch: Je mehr Systeme sich von der Atomkraft verabschieden und Alternativen in Erneuerbaren Energien suchen, umso höher wird der Anspruch an eine angemessene Verzinsung. Was denken Sie über die Entwicklung der Verzinsung unserer Netzinvestitionen und mit welchem Signal aus Karlsruhe rechnen Sie?
Ich wünsche eine gute Woche.

Herzlichst Ihr
Micha Ries

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