Digitalisierung / Netzinfrastruktur & Konzessionen
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Barometer Digitalisierung der Energiewende

Der (Handlungs-)Druck steigt?!

Im vergangenen Jahr konnten mehr als 1,7 Mio. dezentrale Erzeugungsanlagen den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix erstmals auf über 40 % steigern. Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte, aber: Auch neue flexible Lasten – allen voran die Elektromobilität – drängen in das System. Sind die Marktregeln und die notwendige Digitalisierung des Energiesystems dafür ausgereift oder hinken wir hinterher?


Mit dem 2016 in Kraft getretenen Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende hat die Bundesregierung einen wichtigen Schritt für das Gelingen der Energiewende gemacht. Zur Begleitung der Umsetzung beauftragte das BMWi im Herbst 2017 EY, B E T und WIK mit der Erstellung des „Barometer Digitalisierung der Energiewende“ sowie drei weiterer Gutachten zu den Topthemen Verbraucher und Geschäftsmodelle, Flexibilisierung sowie Telekommunikationsinfrastruktur. Nach einem Jahr intensiver Diskussionen mit der Politik und Branchenvertretern wurden die Gutachten zum Jahresende 2018 fertiggestellt und sollen voraussichtlich im ersten Quartal 2019 veröffentlicht werden.

Im Rahmen des Gutachtens zu Topthema 2 wurde im Schwerpunkt das Modell der „Spitzenglättung“ erarbeitet, das in der beginnenden Branchendiskussion schon breite Beachtung gefunden hat. Der aktuelle Ordnungsrahmen sieht zwar mit § 14a des EnWG eine netzseitige Steuerung flexibler Verbrauchseinrichtungen in Niederspannung grundsätzlich vor, enthält aber keine genaueren Ausführungsbestimmungen. Mit dem Modell der Spitzenglättung und der Einführung einer „bedingten Netznutzung“ für flexible Verbraucher liegt nun ein konkreter Vorschlag für ein neues Netzzugangs- und Netzentgeltsystem vor. Dies ermöglicht insbesondere auch die reibungslose Integration der Elektromobilität in das Energiesystem, vermeidet dabei volkswirtschaftlich ineffizienten Netzausbau und schafft bessere Rahmenbedingungen für innovative Geschäftsmodelle.

Mit dem Modell „Spitzenglättung“ nimmt die Digitalisierung des Energiesystems konkrete Gestalt an. Dazu gehört der Aufbau einer kontinuierlichen Netzzustandsüberwachung in den heute weitestgehend noch als „Black Box“ geführten Niederspannungsnetzen. Im Vorfeld hierzu muss auch die Netzplanung digitalisiert und automatisiert werden. Aber auch die Vertriebe müssen zunehmend digitale Geschäftsmodelle für die Bewirtschaftung der dezentralen Flexibilitäten entwickeln und umsetzen. Gemeinsame Basis für all diese Aktivitäten ist eine IKT-Infrastruktur mit Smart-Meter-Gateways und zuverlässigen, cybersicheren Kommunikationsnetzen.

Damit all dies reibungslos und rechtzeitig funktioniert, muss der Ordnungsrahmen zügig angepasst werden. Die Akteure müssen sich auf die neuen Anforderungen vorbereiten: Das Digitalisierungsbarometer zeigt steigenden (Handlungs-)Druck an!