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Editorial |

Da läuft doch was schief!

Sind wir noch zu retten?

Im Hambacher Forst stehen Aktivisten und Bürger auf den Barrikaden, um die Politik in punkto Kohleausstieg zu einem beschleunigten Handeln aufzurufen. Wir wissen, dass wir sprinten müssen, um die Klimaziele zu erreichen, und wollen Vorreiter der globalen Energiewende sein, doch der Ausbau der Erneuerbaren Energien gerät ins Stocken. Auch und vor allem weil der Netzausbau nicht Schritt hält.


Liebe Kunden, Partner und Freunde der B E T,

im Hambacher Forst, hier bei Aachen, werden wieder neue Baumhäuser gebaut, während in Berlin die Kohlekommission bis zum Jahresende einen Ausstiegspfad aus der Kohleverstromung entwickeln soll, der die Anforderungen des energiepolitischen Ziel-Dreiecks nach Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und Naturverträglichkeit mit der Sozialverträglichkeit vereinen soll. In Belgien bereitet man sich auf einen geordneten Lastabwurf für den kommenden Winter vor, da von den 7 Reaktorblöcken der Kernkraftwerke Tihange und Doel nur einer zuverlässig zur Verfügung steht. Und gleichzeitig gerät der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland ins Stocken, da immer offensichtlicher wird, dass wir viel zu lange den für die Energiewende notwendigen Netzausbau auf Übertragungs- wie Verteilebene vernachlässigt haben. Nebenher stellen wir fest, dass die CO2-Emissionen wieder steigen und wir unser selbst gesetztes 2020-Ziel krachend verfehlen werden. Da läuft doch etwas schief!

Der Weltklimarat hat es uns jüngst noch einmal vorgerechnet: Wir sollten besser den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 statt auf 2°C begrenzen. Dafür reicht es aber nicht aus, dass sich die Politik regelmäßig darin überbietet, unsere Klimaschutz- und Erneuerbaren-Ziele für die ferne Zukunft nach 2030 immer höher zu schrauben, während wir die kurzfristigeren Ziele für 2020 z. B. bezüglich CO2 und Elektromobilität aus dem Auge verlieren und widerstandslos aufgeben.

Was fehlt, ist ein sektorübergreifendes, international abgestimmtes Gesamtkonzept von Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen, inklusive des Ausbaus der Energienetze und Umbaus der Verkehrsinfrastruktur. Wir brauchen einen realistischen Plan zur schrittweisen Substitution CO2-intensiver Energieträger durch CO2-freie oder CO2-ärmere Energieträger. Hierbei wird dem Gas gerade in der anstehenden Transformationsphase noch eine besondere Bedeutung zukommen. Aber auch die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung werden helfen, dezentrale Flexibilisierungs- und Optimierungspotenziale zu heben und die Netze besser auszulasten.

Mit der Erstausgabe unseres Webmagazins von „BETrifft“ werden wir natürlich nicht alle Fragen der Energiewende beantworten können. Wir möchten aber die Diskussion um einige Einblicke bereichern und Ihnen Anregungen liefern, um die Transformation zielsicher anzupacken. 
 
Wir freuen uns auf Ihr Feedback!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Alexander Kox