Energieversorger als regionale Dienstleister

DeepDive #5

Die Mission eines Energieversorgers als regionaler Dienstleister im Jahr 2030


Energieversorgungsunternehmen erfüllen 2030 mehr denn je das Bedürfnis von Privat-, Gewerbe- und kleineren Industriekunden nach regionalen und nachhaltigen Dienstleistungen. 

Äpfel verkaufen, PV-Anlagen leasen, Handwerker*innen vermitteln, H2-Tankstellen betreiben: Energienahe, technische und nachhaltige regionale Dienstleistungen sind für EVU im Jahr 2030 als Geschäftsfeld nicht wegzudenken. Das klassische Commodity-Geschäft ist rückläufig. In 10 Jahren könnten bis zu 25 % der Umsatzerlöse aus Dienstleistungen resultieren. Die Entwicklung eines Geschäftsfeldes, das heute oft erst 5 bis 10 % der Gesamtumsätze ausmacht, hat gerade erst begonnen. ​

2030 wird es für Energieversorger selbstverständlich sein, sowohl mit Privat-, Gewerbe- als auch Industriekunden diverse Vertragsverhältnisse für regionale Dienstleistungen zu haben. Das Portfolio von Produkten kann stark heterogen sein. Es reicht von Kombiprodukten zur Energielieferung über konventionelle technische Dienstleistungen bis hin zu Händlerplattformen. Ein Großteil der Angebote ist nachhaltig. ​

Mit der Vielfalt von Produkten und Dienstleistungen etabliert sich ein neues margenstarkes Geschäftsfeld. Über eine Online-Plattform werden ebenso wie über herkömmliche Kanäle EVU-eigene Dienstleistungen vertrieben und fremde Dienstleistungen vermittelt. ​

In Verantwortung für ihre besonderen Rolle zur kommunalen Daseinsvorsorge reagieren EVU 2030 verstärkt auf die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Sie spüren den Druck der Kommunalpolitik und gleichzeitig sehen sie auch die eigene Verantwortung, die Energiewende auch regional voran zu bringen. Sich jetzt auf den Weg machen und bis in 10 Jahren, die eigene Regionalität in den Kontext einer ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit setzen, könnte ein kluger Wachstumspfad für die EVU sein. [> B E T - Strategiemodell ] Der Gesprächspartner der EWR bringt es auf den Punkt: „Nachhaltigkeit und Regionalität sind in den Köpfen der jungen Generation untrennbar miteinander verknüpft.“​

Während die Triebfeder 2020 noch die Suche nach Alternativen zum „bröckelnden“ Commodity-Geschäft ist, handeln die Unternehmen 2030 stärker im sozialen Auftrag ihrer Anteilseigner. Mit den Angeboten der EVU werden nicht nur margenstarke Dienstleistungen verkauft, sondern auch ländliche und urbane Regionen attraktiv gehalten. 

Zitate


Heide Oberbeck
Leiterin Unternehmensentwicklung, 
Osterholzer Stadtwerke GmbH & Co. KG

„EVU sollten ihr Geschäft zukünftig noch deutlicher nach einem Sinn ausrichten, der die Kunden anspricht, berührt. Mit der Ausrichtung auf einen Purpose kann eine besondere Nähe und damit noch deutlicher als bisher, eine regionale Verbundenheit geschaffen werden. Damit kann es gelingen, für weitere Dienstleistungen zu begeistern. Warum soll ein EVU in Zukunft nicht auch Eier verkaufen?“ 


Jens Blüm 
Leiter Organisations- und Strategieentwicklung,
EWR AG

„Die Stadtwerke müssen mehr sein als Kümmerer, sie müssen sich von einer passiven in eine aktive Rolle bewegen, die Bedürfnisse der Kunden frühzeitig erkennen und zum Umsorger werden.“


Ulrich Längle
Geschäftsbereichsleiter Vertrieb und Prokurist,
Stadtwerke Augsburg Energie GmbH

„Plattformen sind die Zukunft. Wir streben an, Cross-Selling über Plattformen zu fördern, die Customer Journey zu optimieren und die Kundendaten an einer Stelle zu bündeln.“

Thesen

These 1: Dienstleistungen werden vom Rising Star zur Cash Cow ​
Versorger werden sich zum Umsorger weiterentwickeln und im Zuge dessen zukünftig 25 % des Umsatzes mit Dienstleistungen generieren. ​

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These 2: EVU verkaufen Äpfel​
Zukünftig kann es durchaus vorkommen, dass EVU neben Energiedienstleistungen auch andere regionale Produkte, wie z. B. Äpfel und Handwerksleistungen, mit vertreiben. ​

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These 3: Differenzierte Wertschöpfungstiefe ​
Die Energiedienstleistungen rund um Mobilität, Prosumer und Wärme werden federführend durch das EVU selbst erbracht. Die Kernkompetenzen werden jedoch um ein Netzwerk aus Partnern ergänzt.​

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These 4: Regionalität ist nicht alles ​
Durch Regionalität gelingt die Differenzierung der Produkte. Aber auch der Preis, die Qualität, der Service, die CO2-Bilanz und die Flexibilität müssen konkurrenzfähig sein. ​

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These 5: Plattformen als neuer Marktplatz ​
Auch bei regionalen Leistungen gewinnen digitale Plattformen an Bedeutung.​

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These 6: Umsorger sein braucht Sichtbarkeit ​
Gezieltes regionales Marketing, die Weiterentwicklung einer starken Marke und die Bewerbung von Cross-Selling-Potentialen sind zwingende Vorrausetzung, um als regionaler Dienstleiser wahrgenommen zu werden.​

Tauchgang #5 - Energieversorger als regionaler Dienstleister

 

Begleiten Sie uns auf dem Tauchgang in die Tiefe. Energieversorger  werden in den kommenden 10 Jahren zahlreiche Veränderungen erleben. Was sind die Konsequenzen für Ihr Unternehmen?