Jahresrückblick 2020

Energiepolitische Entwicklungen

DER STEINIGE WEG ZUR KLIMANEUTRALITÄT

Die EU-Kommission hat mit dem Green Deal und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 ehrgeizige, aber auch notwendige Vorgaben beschlossen. Auch Deutschland will insbesondere im Energiebereich bis 2050 klimaneutral werden. Im Strombereich sollen die EE-Ausbauziele weiter angehoben werden, doch reicht das?

Eine Erkenntnis setzt sich zunehmend durch: Der Strombereich allein kann die Dekarbonisierung im Energiesektor nicht leisten, deshalb rücken die Sektorkopplung und eine nationale Wasserstoffstrategie deutlich verstärkt in den Fokus. Um die Energiewende zu schaffen, sind viele Bausteine erforderlich. B E T konnte auch 2020 bei wichtigen Vorhaben mitwirken.

Sektorenübergreifende Ausbauplanung der Stromübertragungs- und Gastransportnetze
Unmittelbar klar ist, dass der Ausbau der Übertragungsnetze weiterhin hohe Priorität haben muss. Daneben rückt nun die Zukunft der Gasnetze in den Fokus: 

Wo werden sie langfristig noch gebraucht, wo macht es Sinn, diese auf Wasserstoff umzubauen, und vor allem: Wie sieht eine konsistente Netzplanung von Stromübertragungs- und Ferngasnetzen aus, und wie koppelt man diese Infrastrukturen unter Nutzung auch der großen Gasspeicherkapazitäten?

Hier setzt die Idee eines integrierten Systementwicklungsplanes an. B E T arbeitet hier als Gutachter im Auftrag der dena im vom BMWi geförderten Projekt „dena-Netzstudie III“.

In einem breiten Stakeholderkreis von Unternehmen, NGOs, politischen VertreterInnen, BNetzA und weiteren Experten werden die Projektansätze regelmäßig konsultiert. Dena  -Ein Systementwicklungsplan für die integrierte Energiewende

Ein wachsender Stromverbrauch muss durch erneuerbare Erzeugung abgedeckt werden
Ein weiterer Baustein ist die künftige Flächenentwicklungsplanung zum Ausbau der Offshore-Windenergienutzung insbesondere in der deutschen Nordsee. Auch hier hat B E T im Auftrag des BSH einen Beitrag geleistet und wichtige Grundlagen (Anbindungskorridore, Einhaltung
2K-Kriterium) geschaffen, um den weiteren Ausbau der Offshore-Windkraft in der AWZ
(40 GW in 2040) voranzutreiben.

Bessere Auslastung der Stromübertragungsnetze
Viel diskutiert und von hoher Bedeutung sind auch Maßnahmen zur höheren Auslastung der Stromnetze. Hierunter fallen der witterungsabhängige Freileitungsbetrieb, Hochtemperatur-leiterseile und lastflusssteuernde Maßnahmen (Phasenschieber, HGÜ-Verbindungen). Als weitere Innovation wird die wichtige Fragestellung untersucht, welche Potenziale durch Übergang von der heute üblichen präventiven Netzbetriebsführung (mit derzeit sehr hohen Kosten für Redispatch aufgrund von Netzengpässen) zu einer kurativen Netzbetriebsführung gehoben werden können.

Der Grundgedanke besteht darin, die Herstellung der (n-1)-Sicherheit nicht präventiv day ahead wie bisher, sondern durch kurative Schaltmaßnahmen close to real time (also im Bereich Sekunden bis Minuten) herzustellen. Welche Potenziale gehoben werden können und wie man so etwas künftig in der praktischen Systemführung umsetzen kann, ist Gegenstand des Forschungsprojektes InnoSys, in dem BET im Fachbeirat vertreten ist.

Die Energieversorgung wird dezentral
Die Energiewende ist jedoch allein durch den Zubau zentraler EE-Großanlagen, den Ausbau der Übertragungsnetze und den Import von Wasserstoff nicht zu schaffen. Die Dezentralisierung erzwingt eine umfassende Digitalisierung.

Die Diskussion um die Digitalisierung des Energiesektors hat im vergangenen Jahr an Fahrt auf-genommen, wichtige Fortschritte wurden erreicht. Kurz vor Weihnachten 2019 wurde mit der Zertifizierung des dritten Smart-Meter-Gateways der Startschuss für den Smart-Meter-Rollout gesetzt, allerdings mit noch stark eingeschränktem Funktionsumfang. Die Weiterentwicklung des Smart-Meter-Gateways wurde mit Unterstützung durch B E T im Rahmen des BMWi-/BSI-Roadmap-Prozesses neu strukturiert. In einem Stufenmodell ist jetzt klar zu erkennen, wann welche Funktionalität zur Verfügung stehen wird. 

Die Vergabe des 450-MHz-Frequenzbandes an die Energiewirtschaft war lange politisch umkämpft und die Branche hatte zudem Schwierigkeiten, sich auf ein gemeinsames Betreiberkonzept zu verständigen. B E T hatte das BMWi in seiner Positionierung pro Energiewirtschaft gutachterlich zusammen mit dem WIK beraten. Vielleicht hat dies dazu beigetragen, dass schlussendlich doch die Vernunft gesiegt hat, sodass die für die Digitalisierung des Energiesystems eminent wichtige, leistungsfähige und zuverlässige Telekommunikationsinfrastruktur nun aufgebaut werden kann. 

Spitzenglättung bringt digitale Geschäftsmodelle voran
Weiter vorangekommen ist auch das von B E T entwickelte Modell der Spitzenglättung, das die reibungslose Integration flexibler Lasten in das Netz und den Energiemarkt sicherstellt. Der im Jahr 2019 begonnene Branchendiskussionsprozess konnte in 2020 unter Corona-Bedingungen erfolgreich in digitalen Diskussionsformaten fortgesetzt und abgeschlossen werden. Zum Schluss meldeten sich ein paar Gegner des Modells sehr lautstark zu Wort, konnten aber keine über-zeugenden Argumente vorbringen. Für digitale Geschäftsmodelle mit flexiblen Prosumern wird so eine verlässliche und gut kalkulierbare Basis geschaffen, bestehende Hemmnisse werden beseitigt. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der im EEG-Entwurf nun ausgeweiteten Verpflichtung, zukünftig bei EE-Anlagen eine iMSys einzubauen und die Steuerbarkeit herzustellen. Wir gehen davon aus, dass viele der Kleinkunden, die sich zusätzlich zu ihrer PV-Anlage ein Elektromobil oder eine Wärmepumpe anschaffen, zukünftig ihre Flexibilität im Energiemarkt einsetzen werden und digitale Geschäftsmodelle dadurch einen großen Schub erhalten werden. 


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