Netzinfrastruktur Technik
2021/01

Wasserstoff im Gasverteilnetz

Kaum ein anderes Thema beschäftigt die Energiebranche aktuell so intensiv wie Wasserstoff. Und wie so oft in der öffentlichen (Energie-)Diskussion gibt es unterschiedlichste Ansichten zur geeigneten Ausgestaltung. Auch im Hinblick auf Erdgasverteilnetze ist eine heiße Diskussion bezüglich der Auswirkungen der aktuell rosarot gemalten Wasserstoff-Zukunft entbrannt. Während das bestehende Rohrleitungsnetz meist unkompliziert mit geringem Aufwand auf Wasserstoff umgestellt werden kann, sind die Auswirkungen auf Gasdruckregelanlagen, Verdichter und vor allem angeschlossene Kundenanlagen individuell zu bewerten. Doch auf welche Wasserstoffverteilnetze muss sich der Verteilnetzbetreiber eigentlich einstellen?

Die Bundesregierung trägt aktuell leider nicht dazu bei, das Themenfeld durchsichtiger zu gestalten. Im vom Kabinett verabschiedeten Entwurf des „Deutschen Aufbau- und Resilienzplans“ wird zwar Wasserstoff als wesentliche Komponente für die Dekarbonisierung genannt, dessen Beimischung in bestehende Erdgasnetze genießt aber keine Priorität bzw. wird „aus Gründen der Energieeffizienz jedoch ausgeschlossen“. Diese Regelung stünde im Gegensatz zu den aktuell geltenden Richtlinien des DVGW, die eine Beimischung bis zu knapp 10 % vorsehen, Forschungsprojekte erproben bis zu 30 %. Und prompt regte sich wie erwartet Widerstand in der Energiebranche gegen die regulatorischen Pläne: Gasnetzbetreiber und DVGW argumentieren, dass durch eine Beimischung die bestehenden (und alle paar Jahre verschärften) Klimaschutzziele schneller erreicht werden können. 

Die regulatorische Behandlung von Wasserstoffnetzen als separate Infrastruktur hingegen nimmt konkrete Formen an. Diese sollen als allgemeine Versorgungsnetze in einer gesondert definierten Kategorie innerhalb des § 3 EnWG aufgeführt und von den Netznutzern finanziert werden. Durch diese Festlegungen soll eine Querfinanzierung des Wasserstoffnetzes mit allgemeinen Tarifen für Erdgas und Wasserstoff nicht ermöglicht werden.  

Kurzum: Die Zukunft der Wasserstoffverteilinfrastruktur liegt somit noch etwas im Nebel. Betreiber von Gasnetzinfrastrukturen können jedoch anhand der Diskussion verschiedener Leitfragen bereits Licht ins Dunkel bringen und sich vorbereiten:

  • Wie entwickeln sich die zukünftige Erzeugung und der Verbrauch von Wasserstoff im Netzgebiet?
    • Aktuell ist davon auszugehen, dass der kurz- und mittelfristige Hochlauf von Wasserstoff durch eine Nutzung im Industrie- und Verkehrssektor getrieben wird. Für eine flächendeckende Nutzung im Wärmebereich wird hingegen ein geringeres Potenzial prognostiziert. Es ist insofern zunächst nicht von einer deutschlandweit einheitlichen Nachfrage auszugehen.
  • Welche technischen Ertüchtigungen wären erforderlich, um das Netz auf die Anforderungen von Wasserstoff vorzubereiten? 
    • Wenn Wasserstoff zum Einsatz kommen soll, muss bestehende Infrastruktur hinsichtlich ihrer „H2-Readyness“ geprüft und Standardbetriebsmittel ggf. angepasst werden, da Wasserstoff deutlich andere Eigenschaften (bspw. Energiedichte, Flüchtigkeit, Reaktionsfreudigkeit, Zündfähigkeit) als Erdgas besitzt. Bei Instandhaltungsmaßnahmen sollten bereits H2-geeignete Betriebsmittel verbaut werden.
  • Wie sieht eine nachhaltige Investitionsstrategie in die bestehende Gasinfrastruktur aus? 
    • Die Lang- und Mittelfristinvestitionsplanung ist hinsichtlich potenzieller Risiken bei einer Transformation der Gasinfrastruktur in eine Wasserstoffwelt zu prüfen, um Stranded Investments zu vermeiden. 
  • Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um den Hochlauf von Wasserstoff im Netzgebiet zu unterstützen?
    • Der Netzbetreiber sollte sich als verlässlicher Treiber der Wasserstoffzukunft positionieren. Partnerschaften mit kommunalen Akteuren sollten geschlossen und Pilotprojekte initiiert werden.

Gerne diskutieren wir diese sowie weitere Fragestellungen und konkretisieren das Bild der zukünftigen Infrastruktur mit Ihnen – mit einem garantierten Beimischungsgrad zwischen 0 -100 %.


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