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23.06.2022 | Webmagazin 2022/03 Digitalisierung im Verteilnetz – Topthemen für die eigene Agenda

Mit kleinen und sinnvollen Schritten Richtung Netzbetrieb der Zukunft Dr. Sören Patzack | Tamara Preuss
soeren.patzack@bet-energie.de

Die Modernisierung und Digitalisierung der Verteilnetze sowie die weitere Transformation zu einem Smart Grid sind erklärte Ziele der Ampel-Koalition in Berlin. Und auch wenn die Beschleunigung des Rollouts der intelligenten Messsysteme mit der jüngsten Zurücknahme der Markterklärung noch etwas auf sich warten lässt, und die Ampel somit noch nicht vollständig auf grün steht, hat die Umsetzung der Digitalisierung bei den allermeisten Verteilnetzbetreibern weiterhin oberste Priorität. Wie so oft ist aber auch bei diesem komplexen Thema der erste Schritt der Schwierigste.

Digitalisierung im Verteilnetz umfasst verschiedene Themenbereiche, die eng miteinander verzahnt sind und somit ganzheitlich betrachtet werden müssen. Durch die Digitalisierung der Netztechnik, also der Ausbringung von Sensorik (Messung) und Aktorik (Steuerung) im Netz, entsteht eine große Datenmenge, deren Vielfalt, Volumen und Geschwindigkeit zunimmt. Die Verknüpfung dieser Daten und somit die Erhöhung der Automatisierung im Netzbetrieb bilden die Grundlage für die Optimierung der Bestandsprozesse. Aber auch neue Prozesse wie beispielsweise Redispatch 2.0 müssen aktuell mit Hochdruck implementiert werden.

Damit die Entwicklungen in den einzelnen Themenbereichen aufeinander abgestimmt werden, erarbeiten Verteilnetzbetreiber Digitalisierungsstrategien, -agenden oder -roadmaps. Während die konkreten Inhalte sehr heterogen ausgestaltet sind und stark von Unternehmensgröße, Netzstrukturen, Digitalisierungsstand, verfügbaren Mitteln und Know-how abhängen, kristallisieren sich folgende drei Topthemen heraus:

  1. Ausbringung von Mess- und Steuertechnik: Es wird ermittelt, an welchen Betriebsmitteln (bspw. in Ortsnetzstationen, Kabelverteilerschränken, entfernten Knoten) Messtechnik erforderlich ist, um eine vollständige Beobachtbarkeit des Netzzustandes herzustellen. Diese bildet Grundlage für sinnvolle Steuereingriffe – natürlich ist ebenfalls die geeignete Technik zu spezifizieren.
     
  2. Datenqualität: Nicht erst seit Redispatch 2.0 ist der Nachholbedarf beim Thema Daten allen beteiligten Akteuren offensichtlich. Datenlücken, sich widersprechende Daten in verschiedenen Systemen, veraltete oder nur in Excel-vorliegende Daten verhindern die Automatisierung von Prozessen und führen zu einem hohen manuellen Aufwand. Durch die Einführung geeigneter Datenbanken und -modelle kann die Datenqualität deutlich erhöht werden.
     
  3. Digitalisierung der Netzdaten: Schon aktuell lässt sich ein starker Anstieg der Netzanschlussanfragen im Bereich PV- und Windenergieanlagen sowie Wallboxen verzeichnen. Absolute Grundvoraussetzung für eine realitätsnahe Bewertung der resultierenden Netzbelastungen dieser neuen Kunden sind rechenfähige Netzdatensätze für Mittel- und Niederspannung. Diese werden aktuell von einer Vielzahl der deutschen Verteilnetzbetreiber erstellt und überarbeitet – meist ist hierfür die Verschneidung von Stammdaten aus verschiedenen Systemen erforderlich.

Wichtig für jeden individuellen Netzbetreiber ist, die Themen mit dem für ihn besten Nutzen/Aufwandserhältnis zu identifizieren und frühzeitig anzugehen. Essenziell hierfür ist auch, das eigene Zielbild für den zukünftigen Netzbetrieb zu definieren – und den Weg dorthin anschließend in sinnvolle kleinere Schritte zu zerteilen.

BET hat gute Erfahrungen mit einem Top-down-Ansatz gemacht: Gemäß der strategischen Ausrichtung, den übergeordneten Zielen und prognostizierten Entwicklungen in der Versorgungsaufgabe werden sinnvolle Maßnahmen identifiziert, Meilensteine abgeleitet und somit Schritte definiert. Gerne bringen wir unsere Erfahrungen bei der Erstellung einer übergeordneten Digitalisierungsstrategie in Ihre Diskussionen ein.

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