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21.09.2022 | Webmagazin 2022/04 H2Global

Ein Auktionsmechanismus für den Import grüner Wasserstoff-Derivate Dr. Carsten Bode | Lukas Wammes | Max Sondermann | Dr. Alexander Kox
carsten.bode@bet-energie.de

Um den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft zu beschleunigen und Importstrukturen zu etablieren, hat das BMWK die Initiative H2Global ins Leben gerufen. Damit soll ein Auktions- und Fördermechanismus geschaffen werden, über den verschiedene grüne Wasser-stoffderivate von außerhalb der EU in die EU importiert werden sollen. Dabei tritt die für diesen Zweck gegründete HINT.CO als Mittelsmann zwischen Erzeuger und Verbraucher auf. Das Risikomanagement der gesamten Wertschöpfungskette wurde dabei von BET mitgestaltet.

Am 13. Juli 2022 hat die Marktkonsultation für den ersten Durchlauf des H2Global-Auktionsmechanismus online stattgefunden, an der Interessierte aus über 40 Ländern teilgenommen haben. Zunächst wurde vom BMWK und allen an der Ausgestaltung beteiligten Akteuren der aktuelle Arbeitsstand vorgestellt und im Rahmen der Marktkonsultation um Rückmeldung dazu gebeten. Der erste Durchlauf des Mechanismus, d.h. die erste konkrete Auktionsrunde, soll bereits dieses Jahr starten.

Der aktuelle Stand des Auktionsmechanismus sieht vor, dass im ersten Durchlauf grüner Ammoniak, grünes Methanol und grünes Kerosin über einen Lieferzeitraum von zehn Jahren angeboten werden sollen. Dafür werden die Fördermittel des BMWK in Höhe von 900 Mio. Euro zu gleichen Teilen aufgeteilt. Der Auktions-Prozess läuft dabei wie folgt ab: Nach einer Präqualifikation der potenziellen Produzenten bieten diese, eine bestimmte Menge für zehn Jahre im Wert des jeweiligen Förderbudgets je Produkt in die EU (bzw. genauer: Deutschland, Niederlande oder Belgien) zu liefern. Die Produkte müssen bestimmte physikalische Eigenschaften einhalten und auch die grüne Eigenschaft nach der EU-Richtlinie RED II muss erfüllt sein. Darüber hinaus müssen die potenziellen Produzenten bzw. die entsprechenden Projekte verschiedene weitere, insbesondere soziale Kriterien erfüllen. Nach diesen Kriterien sowie der gebotenen Menge werden die Produzenten ausgewählt. Die Produzenten erhalten so durch die Förderung die finanzielle Sicherheit und ein finanzierungsfähiges Projekt, welche sonst unter aktuellen Rahmenbedingungen nicht gegeben wäre.

Nachfolgend soll es jährliche Auktionen auf der Käufer- bzw. Verbraucherseite geben, bei denen die jährlich produzierten und in die EU gelieferten Mengen an die Verbraucher versteigert werden sollen. Dabei wird erwartet, dass die Verbraucher einen geringeren Preis bieten, als die Produzenten geboten haben. Diese Differenz wird durch die Fördermittel des BMWK ausgeglichen (sog. Contract for Difference). 

Zwischen Produzent und Verbraucher tritt die für diesen Zweck gegründete HINT.CO (Hydrogen Intermediary Network Company GmbH), die die Vermittlung zwischen den Parteien, die Organisation der Auktions-Prozesse sowie die Leitung der Zahlungsströme übernimmt. Da die HINT.CO jedoch vollständig von den Fördermitteln des BMWK abhängig ist, kann sie nicht die Rolle eines typischen Midstreamers übernehmen, welcher sich üblicherweise auch um die komplette Logistikkette kümmert und dabei entsprechende Risiken übernimmt. Das Risikomanagement-Konzept, welches die HINT.CO weitestgehend risikofrei stellt und welches BET  mitgestalten durfte, sieht aktuell vor, dass der Produzent für die Logistik von der Produktionsstätte bis zum Anlandepunkt in der EU inkl. Hafenlogistik (im Falle des Transports per Schiff) verantwortlich ist. Am Ausgangsflansch des Hafens übernimmt HINT.CO das Produkt und übergibt es in einer logischen Sekunde an den Verbraucher, der sich um den Weitertransport kümmert und ab dem Zeitpunkt an die Risiken trägt. 

So werden die Risiken sinnvoll von der HINT.CO an die anderen Parteien verteilt und jede Partei trägt diejenigen Risiken, die vor bzw. nach Eigentumsübergang zu den entsprechenden Prozessschritten gehören. Zur Kostendeckung der HINT.CO werden in verschiedenen Phasen Gebühren erhoben, um den laufenden Betrieb und verbleibende kleinere Risiken abzusichern. Dadurch wird die Liquidität der HINT.CO garantiert und die Kontinuität des Förderprogramms sichergestellt, um so den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft zu unterstützen und einen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele von Deutschland und der EU zu leisten.

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