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06.02.2024 | Webmagazin 2024/01 Was ist hier denn eigentlich „wesentlich“?

Umsetzung der Wesentlichkeitsanalyse innerhalb der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD Leon Hansen | Marco Schöwe | Sebastian Seier
sebastian.seier@bet-energie.de

Sie stehen vor der Herausforderung der Wesentlichkeitsanalyse im Rahmen Ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattungspflicht? In unserem Beitrag erklären wir das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit und erläutern die praktische Umsetzung unter Einbindung von Stakeholdern. Gemeinsam mit der Klimawerke-Initiative erstellen wir derzeit einen verständlichen und praxisorientierten Leitfaden für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, der Stadtwerke bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsberichterstattung unterstützt.
 

Die Wesentlichkeitsanalyse ist ein zentraler Baustein der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) der EU. Ziel der Methode ist es, Nachhaltigkeitsthemen zu identifizieren, die für ein Unternehmen „wesentlich“ im Sinne der ESR-Standards (European Sustainability Reporting Standards) für die Nachhaltikgeitsberichterstattung sind. Für Unternehmen, die von der CSRD-Nachhaltigkeitsberichtspflicht betroffen sind, ist die Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse gesetzlich vorgeschrieben. 

Die Wesentlichkeitsanalyse basiert auf dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit. Dieses Prinzip betrachtet die Relevanz von Nachhaltigkeitsthemen aus den folgenden zwei Perspektiven:

  1. Inside-Out-Perspektive (Wesentlichkeit der Auswirkungen):

    Ein Nachhaltigkeitsthema ist wesentlich, wenn Ihr Unternehmen in diesem Bereich tatsächlich oder potenziell positive oder negative Auswirkungen auf die Umwelt oder Menschen hat.
     
  2. Outside-In-Perspektive (finanzielle Wesentlichkeit): 

    Ein Nachhaltigkeitsthema ist wesentlich, wenn daraus Risiken oder Chancen für den Geschäftserfolg Ihres Unternehmens entstehen.

Ein Nachhaltigkeitsthema ist insgesamt wesentlich und in der Nachhaltigkeitserklärung abzudecken, wenn es aus mindestens einer der beiden Perspektiven heraus als wesentlich eingestuft wird.

Das praktische Vorgehen zur Durchführung der Wesentlichkeitsanalyse ist (noch) nicht standardisiert bzw. detailliert festgelegt. Wichtig ist es jedoch, die gewählte Vorgehensweise im Nachhaltigkeitsbericht darzulegen. 

Es empfiehlt sich ein zweistufiger Ansatz: In einem ersten Schritt werden die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen aus unternehmensinterner Perspektive identifiziert.
Hierzu eignen sich unternehmensinterne Workshops, in denen folgende Punkte behandelt werden:

  1. Bestimmung des Einflussbereichs des Unternehmens unter Berücksichtigung seiner Geschäftstätigkeiten, Einzugsgebiete, Standorte, Wertschöpfungs- und Lieferketten.
     
  2. Brainstorming „auf der grünen Wiese“ zu möglichen Auswirkungen des Unternehmens auf Nachhaltigkeitsaspekte sowie zu finanziellen Chancen und Risiken.
     
  3. Zuordnung der identifizierten Auswirkungen, Risiken und Chancen (Impacts, Risks, Opportunities – IROs) zu den durch die ESRS definierten Nachhaltigkeitsthemen.
     
  4. Systematische Ergänzung weiterer IROs entlang der Nachhaltigkeitsthemen (gemäß ESRS).
     
  5. Festlegung einer Bewertungsmethodik für die Wesentlichkeitsanalyse und Bestimmung von Wesentlichkeitsschwellenwerten.
     
  6. Bewertung der Wesentlichkeit der identifizierten IROs und Nachhaltigkeitsthemen sowie Dokumentation der Begründungen für die Bewertungen.

Im zweiten Schritt werden die Perspektiven externer Stakeholder, die für die jeweiligen Nachhaltigkeitsthemen relevant sind, in die Wesentlichkeitsbewertung einbezogen. Dieser Schritt wird für Nachhaltigkeitsthemen durchgeführt, bei denen eine Stakeholderbefragung für eine ganzheitliche Bewertung als notwendig festgelegt wurde. Die Einbindung der Stakeholder kann mithilfe verschiedener Instrumente wie Fragebögen, Interviews oder Workshops erfolgen.

Das Vorgehen und die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse sollten detailliert dokumentiert werden, um die Nachvollziehbarkeit bei der Kontrolle durch einen Wirtschaftsprüfer zu gewährleisten.

BET erarbeitet im Rahmen der Klimawerke-Initiative einen umfassenden Leitfaden für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dieser Leitfaden enthält u. a. eine Anleitung für die Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse und praktische Beispiele. Das Dokument unterstützt Stadtwerke bei der Umsetzung der Nachhaltigberichterstattungspflicht, indem der Leitfaden den Inhalt der europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung verständlich und praxisorientiert mit dem Fokus auf Stadtwerke aufarbeitet.
 


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